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	<title>BlogGezwitscher &#187; Interviews</title>
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	<description>wo Twitter die Blogosphäre trifft</description>
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		<item>
		<title>Interview mit Marco Zehe, einem blinden Blogger und Twitterer</title>
		<link>http://www.bloggezwitscher.de/interview-mit-marco-zehe-einem-blinden-blogger-und-twitterer/</link>
		<comments>http://www.bloggezwitscher.de/interview-mit-marco-zehe-einem-blinden-blogger-und-twitterer/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 22 Nov 2009 14:05:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Markus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>

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		<description><![CDATA[Hallo Marco, erst mal vielen Dank, dass du dich f&#252;r dieses E-Mail Interview bereit erkl&#228;rt hast! Ich kenne dich von Twitter, wo du unter dem Benutzernamen @MarcoZehe zu finden bist. Magst du ein bisschen zu deiner Person erz&#228;hlen? Hallo Markus! Zun&#228;chst einmal vielen Dank f&#252;r Dein Interesse und das Interview! Ich bin 1973 in Dannenberg [...]<p></p>
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			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Hallo Marco,</p>
<p>erst mal vielen Dank, dass du dich f&#252;r dieses E-Mail Interview bereit<br />
erkl&#228;rt hast! Ich kenne dich von Twitter, wo du unter dem<br />
Benutzernamen <a title="Marco Zehe auf Twitter" href="http://twitter.com/MarcoZehe" target="_blank">@MarcoZehe</a> zu finden bist. Magst du ein bisschen zu<br />
deiner Person erz&#228;hlen?</p>
<p><span id="more-1768"></span></p>
<blockquote><p>Hallo Markus! Zun&#228;chst einmal vielen Dank f&#252;r Dein Interesse und das Interview!<br />
Ich bin 1973 in <a title="Dannenberg" href="http://www.dannenberg.de" target="_blank">Dannenberg</a> an der Elbe geboren und also ein Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen. <img src='http://www.bloggezwitscher.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':)' class='wp-smiley' />  Ich bin von Geburt an blind und kenne meine Welt daher ausschlie&#223;lich  durch alle Sinneswahrnehmungen au&#223;er dem Sehen. Ich wei&#223; nur theoretisch, was Farben sind. Ich sehe zwar den Unterschied zwischen Helligkeit und Dunkelheit, aber au&#223;er dass ich immer wei&#223;, wann Tag und Nacht ist, n&#252;tzt es mir nichts.<br />
1980 bin ich in Hamburg <a title="Blinden- und Sehbehindertenschule Hamburg" href="http://www.hh.schule.de/blindenschule/welcome.htm" target="_blank">in die Blinden- und Sehbehindertenschule</a>. 1984 wechselte ich auf die <a title="Heinrich-Hertz-Schule" href="http://www.hhs.ka.bw.schule.de/" target="_blank">benachbarte Heinrich-Hertz-Schule</a>, auf der ich 1994 mein Abitur machte.<br />
Danach folgten einige Wirren mit Lehramtsstudium, dem Versuch, Informatik zu studieren, und dann mein erster Job in einer Firma, die Hilfsmittel f&#252;r Blinde herstellt. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich mein Lebensmittelpunkt nat&#252;rlich l&#228;ngst nach Hamburg verlagert.<br />
Im Jahr 2007 trat ich dann meine jetzige Arbeit bei der Mozilla Corporation als Qualit&#228;tsbeauftragter f&#252;r Barrierefreiheit in Firefox &amp; Co. an.<br />
Ich lebe in einem sehr l&#228;ndlichen Stadtteil Hamburgs namens Kirchwerder in einem eigenen Haus mit Frau und zwei Hunden, von denen einer mein Blindenf&#252;hrhund ist</p></blockquote>
<p>Das ist sehr beeindruckend! Es gibt viele, normal sehende Menschen,<br />
die Probleme damit haben Abitur, Studium, Job oder Familie zu<br />
meistern. Und du hast das ganze ohne visuelle Sinneswahrnehmung<br />
geschafft. Unglaublich!</p>
<blockquote><p>Nun, da gibt&#8217;s auch viele Blinde, die das nicht schaffen. Das ist, glaube ich, nicht wirklich davon abh&#228;ngig, ob man sehen kann oder nicht. Es h&#228;ngt vielmehr mit der allgemeinen Einstellung zu sich und dem Leben zusammen.</p></blockquote>
<p>Zu meiner Schande, muss ich dir gestehen, dass ich mich in meinem<br />
Leben noch nicht viel mit Sehbehinderung, Barrierefreiheit oder<br />
Zug&#228;nglichkeit besch&#228;ftigt habe. Deswegen w&#252;rde ich dir gerne einige<br />
Fragen aus meiner, eingeschr&#228;nkten Sicht, in Bezug auf das Thema<br />
Computer stellen, wenn es dir nichts ausmacht.</p>
<blockquote><p>Dass Du mit dem Thema bisher nicht oder kaum in Ber&#252;hrung gekommen bist, verwundert nicht wirklich. Blindheit ist in unserer Bev&#246;lkerung zu 80% eine Erscheinung des Alterns. Lediglich die anderen 20% teilen sich auf auf Geburtsblinde, Blindheit durch Unfall oder Diabetes, Retinitis Pigmentosa o. &#228;. Blindheitsursachen, die nicht im h&#246;heren Alter begr&#252;ndet sind.<br />
Sehbehinderungen sind da schon h&#228;ufiger, da sie in sehr vielf&#228;ltiger Form auftreten. Jede Nachtblindheit, jede Farbsehschw&#228;che, ja selbst jede Kurzsichtigkeit ist im Grunde eine Sehschw&#228;che. Gegen Kurzsichtigkeit gibt es Brillen oder Kontaktlinsen, mit denen diese Defizite weitgehend ausgeglichen werden k&#246;nnen. Aber Farbblindheit ist z.B. nicht durch Sehhilfen ausgleichbar. Und da stellt z. B. eine Seite, die bestimmte (wichtige) Informationen nur &#252;ber Farben kommuniziert, schon eine Barriere dar. Eine Farbsehschw&#228;che sieht man jemandem nicht an. Die Person l&#228;uft weder mit einem wei&#223;en Blindenstock durch die Gegend, noch kann oder darf sie nicht Auto fahren. Und doch k&#246;nnen fehlende oder falsch einsortierte Farben im t&#228;glichen Leben eine echte Barriere darstellen, und das eben auch im Web.<br />
Insofern: Vielleicht hattest Du schon mit Menschen mit einer Sehbehinderung zu tun und wei&#223;t es nicht mal. <img src='http://www.bloggezwitscher.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' /> </p></blockquote>
<h3>1. Du startest morgens deinen Computer. Welches Betriebssystem nutzt du? Wie erkennst du z.B. welche Programme oder Dateien dir zur Verf&#252;gung stehen?</h3>
<blockquote><p>Ich arbeite mit verschiedenen Betriebssystemen. Beruflich habe ich am meisten mit Windows zu tun, und Linux ist auch sehr wichtig. Privat nutze ich seit einiger Zeit ausschlie&#223;lich Apple-Rechner mit Mac OS X Betriebssystem. Allen dreien gemein ist, dass es Bildschirmleseprogramme gibt, die die Inhalte in synthetische Sprache umwandeln und die Oberfl&#228;che somit h&#246;rbar machen. Die Ausgabe erfolgt &#252;ber die in den Computer eingebaute Soundkarte. Unter Windows gibt es diese Programme am l&#228;ngsten, und da gibt es auch einen echten Wettbewerb. Es gibt <a title="nvda project" href="http://www.nvda-project.org" target="_blank">einen Screen Reader</a>, der quelloffen ist und mehrere kommerzielle Anbieter. Unter Linux (genauer, dem GNOME Desktop) und unter Mac OS X gibt es jeweils genau ein Bildschirmleseprogramm, welche gleich an Bord der Distribution bzw. des Betriebssystems kostenlos mitgeliefert werden. Ein Linux- oder Apple-Rechner ist also schon w&#228;hrend der Installationsphase nutzbar. Windows muss bereits installiert sein, bevor ein Screen Reader installiert werden kann.<br />
Wenn ich jetzt also den Windows-PC starte, verfolgt der Screen Reader standardm&#228;&#223;ig den Tastaturfokus. Wenn ich also das Startmen&#252; &#246;ffne und mit den Pfeiltasten durchlaufe, das &#8220;Alle Programme&#8221;-Untermen&#252; aufklappe und dann weiterlaufe, bekomme ich also schnell einen &#220;berblick &#252;ber die installierte Software. Genauso kann ich den Desktop erforschen, im Explorer arbeiten usw. Analog funktioniert das nat&#252;rlich auch unter Linux und Mac OS.</p></blockquote>
<h3>2. Du besuchst eine Internetseite mit dem Browser. Wie liest du die Inhalte? Woher wei&#223;st du z.B. wenn ein Text mit einem Link hinterlegt ist?</h3>
<blockquote><p>Wie ich eine Seite lese, h&#228;ngt davon ab, ob ich sie schon kenne oder nicht. Screen Reader bieten verschiedene M&#246;glichkeiten der schnellen Navigation zu &#220;berschriften, Formularelementen und anderen Elementtypen an. Wenn ich eine Seite also kenne, wei&#223; ich, zu welchem Element ich springen muss, um zu den neuen, wichtigen Inhalten zu kommen. Unbekannte Seiten erforsche ich erstmal St&#252;ck f&#252;r St&#252;ck und mache mich damit vertraut. Screen Reader k&#246;nnen verschiedenste Elemente auswerten: Listen, Links, Tabellen, Formulare, &#220;berschriften usw. werden automatisch erkannt, und es wird angesagt, um was f&#252;r einen Typ es sich bei bestimmtem Text handelt.</p></blockquote>
<h3>3. Was k&#246;nnen Blogger und Webmaster tun, um ihre Seite zug&#228;nglicher zu machen? Kannst du vielleicht ein gutes Tutorial nennen, welches Online verf&#252;gbar ist?</h3>
<blockquote><p>Tutorien zur Gestaltung m&#246;glichst barrierearmer Seiten gibt es im Netz viele. Gibt auch viele Web-Agenturen, die sich mit dem Thema auskennen und Hilfestellung geben k&#246;nnen. Verbreitete Blogsysteme wie WordPress o. &#228;. bieten eine F&#252;lle von Themes, von denen viele barrierearm sind. Eine gute Anlaufstelle zum Reinst&#246;bern und Erhalten von guten Tipps ist mit Sicherheit die <a title="Webkrauts" href="http://www.webkrauts.de" target="_blank">Seite der Webkrauts</a> und die Seiten der <a title="Initiative &quot;Einfach f&#252;r Alle&quot;" href="http://www.einfach-fuer-alle.de" target="_blank">Initiative &#8220;Einfach f&#252;r Alle&#8221;</a> der Aktion Mensch.</p></blockquote>
<h3>4. Welche Inhalte sind im Internet besonders schwer zug&#228;nglich?<br />
Ein Beispiel: Gestern habe ich ein Update auf Twitter mit dem Inhalt &#8220;Freut ihr euch auch schon so? <img src='http://www.bloggezwitscher.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  <a href="http://twitpic.com/qdgkw">http://twitpic.com/qdgkw</a>&#8221; mit dem Link zu einem iPhone Screenshot zum abendlichen (trashtv) Programm geschickt. Kurz darauf kam von dir ein @Reply &#8220;Wor&#252;ber? Magst Du mal einen Alt-Text f&#252;r das Bild r&#252;berwachsen lassen? <img src='http://www.bloggezwitscher.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':)' class='wp-smiley' /> &#8221;. Ich versuche von nun an auf jeden Fall daran zu denken.</h3>
<blockquote><p>Nicht gut beschriebene Bilder, nicht zug&#228;ngliche Flash-Anwendungen, und visuelle CAPTCHAs zum Registrieren oder zur Abgabe von Kommentaren z. B. bei vielen Tageszeitungen. Das sind so die drei gr&#246;&#223;ten Baustellen.</p></blockquote>
<h3>5. Wo gibt es in Bezug auf Barrierefreiheit im Internet noch Nachholbedarf?</h3>
<blockquote><p>Mit Sicherheit bei der Umsetzung von Webstandards und Richtlinien zur Barrierefreiheit in der freien Wirtschaft. F&#252;r staatliche Auftritte gibt es die BITV (Barrierefreiheitsverordnung in der Informationstechnik). Diese gilt aber nicht f&#252;r die freie Wirtschaft, und entsprechend grauselig sind manche Angebote auch heute noch gestaltet. Wenn man sich z. B. die Seiten von <a title="Conrad" rel="nofollow" href="http://www.conrad.de" target="_blank">Conrad</a> anschaut, so l&#228;uft es einem kalt den R&#252;cken runter. Diese Seite ist vom Design und Markup her Mitte der 90er Jahre stehengeblieben. Ich kann hier keinen Bestellvorgang ausf&#252;hren, weil ich nicht mal zu den Produkten hinkomme, die ich bestellen will. Und das ist mir schon seit mehreren Jahren anderswo nicht mehr passiert. Aber Conrad ist leider kein Einzelfall, und ich h&#246;re immer wieder von anderen Blinden, die irgendwo scheitern, weil Seiten so schlecht auf Barrierefreiheit hin gebaut sind.</p></blockquote>
<h3>6. Regt dich etwas besonders auf? Gibt es ignorante Internetuser? Internetbetreiber gro&#223;er Seiten, die ihre Inhalte nicht zug&#228;nglich machen? Oder etwas ganz anderes in dieser Richtung?</h3>
<blockquote><p>Abgesehen von dem Beispiel, das ich eben genannt habe, habe ich, denke ich, mit genau denselben Leuten im Internet zu tun wie sehende Internetnutzer auch. Ein Troll in einem Forum regt mich genauso auf wie Dich. <img src='http://www.bloggezwitscher.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':)' class='wp-smiley' /> </p></blockquote>
<h3>7. Wie muss man sich deine Interaktion mit dem iPhone 3GS vorstellen? Ich habe gesehen, du liest und schreibst auch unterwegs Tweets. Wie machst du das?</h3>
<blockquote><p>Das iPhone OS 3.0 und h&#246;her liefert f&#252;r das 3G S und den iPod Touch der dritten Generation mit 32 oder 64 GB einen Screen Reader f&#252;r Blinde gleich mit. Ist dieser aktiv, werden die Gesten etwas ver&#228;ndert. Das Antippen eines Symbols bewirkt nicht mehr automatisch das Aktivieren des Elements, sondern das Element wird gesprochen. Erst ein zweifaches Tippen auf den Bildschirm aktiviert das zuletzt &#8220;angef&#252;hlte&#8221; Symbol. F&#252;r einen ausf&#252;hrlichen Erfahrungsbericht <a title="Blogeintrag: iPhone 3GS Barrierefrei" href="http://www.zehe-edv.de/2009/08/04/das-zugangliche-iphone-3g-s-ein-erfahrungsbericht/" target="_blank">empfehle ich das Studium meines Blogeintrages zu diesem Thema</a>.</p></blockquote>
<p>Super! Vielen Dank, dass du dir die Zeit f&#252;r das Interview genommen hast!</p>
<blockquote><p>Vielen Dank nochmals f&#252;r Dein Interesse!<br />
Viele Gr&#252;&#223;e<br />
Marco</p></blockquote>
<p>Marco ist <a title="Twitter Profil Marco Zehe" href="http://twitter.com/MarcoZehe" target="_blank">hier</a> auf Twitter zu finden, <a title="Marco's accessibility Blog - Englisch" href="http://www.marcozehe.de/" target="_blank">betreibt einen englischsprachigen</a> und <a title="Marco Zehe EDV-Beratung" href="http://www.zehe-edv.de/" target="_blank">deutschsprachigen Blog</a>.</p>
<p></p>
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